Deutschland erfüllt aktuell nicht seine Klimaschutzziele und in der GroKo wird seit langem darum gerungen, wie man finanzielle Strafen der EU umgehen kann. Nun denkt Innenminister Seehofer (CSU) über eine steuerliche Entlastung für Immobilienbesitzer nach. Diese Förderung von Wärmedämmung bei Immobilien würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Es ist der dritte Anlauf, dass die Bundesregierung über eine steuerliche Entlastung von energetischen Sanierungen nachdenkt. Bis dato scheiterte es am föderalen Hin- und Her der Bundesländer.

Nun hat Innenminister Horst Seehofer einen Vorschlag, der hilft, die Klimaschutzziele der EU zu erreichen und gleichzeitig die Mieten stabil hält, so seine Vorstellung.

Staatliche Förderung von Wärmedämmung durch Steuerentlastung

Als den deutschen Immobilienbesitzern, vor allem den Vermietern, im Januar dieses Jahrs klar wurde, dass nur noch acht statt 11 Prozent der Kosten einer energetischen Sanierung auf die Mieter umgelegt werden können, ging ein Raunen durchs Land.

Schnell wurden erneut alte Forderungen von Bau- und Immobilienverbänden gestellt, die energetische Sanierung steuerlich zu begünstigen. Und nun denkt das Innenministerium darüber nach, ebendiesen Schritt zu gehen.

Im Kern sieht der Vorschlag, der dem Klimakabinett des Bundestages aktuell präsentiert wurde vor, dass Immobilieneigentümer die Kosten für die Wärmedämmung steuerlich absetzen können. Doch nicht nur die Fassadendämmung soll berücksichtigt werden.

Ein Austausch alter Heizanlagen und die Dämmung von Dachstühlen würde, so Seehofer, den Ausstoß von CO2 bei Altbauten erlebbar verringern.

Insgesamt würde die Umsetzung dieser neuen steuerlichen Regelung gut eine Milliarde Euro kosten. Dass Streit innerhalb der GroKo vorprogrammiert ist, dürfte klar sein. Denn die Zukunftsaussichten auf Steuereinnahmen sind mehr als dürftig. Das Finanzministerium rechnet bis 2023 mit Steuerausfällen von bis zu 75 Milliarden Euro.

Neben den Klimaschutzzielen, die aktuell nicht eingehalten werden und so hohe Strafen drohen, will Seehofer mit diesem Vorschlag weiter gehen. Bezahlbares Wohnen ist und bleibt, neben dem Klimaschutz, ein signifikant wichtiges Thema.

Ob und inwieweit dieser Vorstoß ein Ergebnis der letzten Wahlen zum europäischen Parlament sind, da „grüne Themen“ wieder „in“ sind, ist fraglich. Dennoch kann eine steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Maßnahmen auch dazu beitragen die Mieten stabil zu halten, zumindest teilweise. Denn neben den Klimazielen zeigen die aktuellen Zahlen zu den Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland auch, dass viel zu tun ist, um alle Marktteilnehmer zu entlasten.

Internlink: „Baugenehmigungen für Wohnungen und was wirklich hilft“ – noch nicht online

Die GroKo und der Klimaschutz

Beim Thema Klimaschutz rumort es seit langem in der GroKo. Die Umweltministerin (SPD) will verbindliche Ziele für den Klimaschutz festlegen. Demnach sollen Industrie, Verkehr und Landwirtschaft festgelegte Klimaziele erhalten um wieviel sie den CO2-Ausstoß verringern müssen. Die CDU/CSU bemängelt, dass die jeweiligen Fachressorts konkrete Maßnahmen entwickeln sollen. Der Kampf dürfte weiter gehen und auch das Thema einer allgemeinen CO2-Steuer mischt sich in den Vorschlag für eine staatliche Förderung von Wärmedämmungen. Letztlich geht viel Energie, gerade in Altbauten, verloren und energetische Sanierungen zu unterstützen wäre eine erste „konkrete“ Maßnahme.

Handwerkskammer positioniert sich zur steuerlichen Entlastung von Immobilieneigentümern

Der Zentralverband des deutschen Handwerks, ZDH, begrüßt den Vorschlag des Innenministers. Letztlich sei die Gebäudesanierung, so ihr Präsident, die größte Ressource zum Energiesparen in Deutschland.

Es sei „ein wichtiger Schritt, um die Klimaziele zu erreichen“, wenn man die energetische Sanierung als Immobilieneigentümer steuerlich absetzen könne, so der Verband.

Im Resümee kann man zumindest hoffen, dass die Bundesregierung diesen Schritt geht. Energie ist teuer und viele Altbauten produzieren zu viel CO2. Zusätzlich ist die steuerliche Entlastung zumindest ein Entgegenkommen nach der Nivellierung der Umlagefähigkeit von Modernisierungskosten.