Deutschland und gerade seine Metropolen brauchen Neubauten, um dem Mangel an Wohnraum zu entgegnen. Ob Miet- oder Gewerbeimmobilien, überall wird gebaut. Doch der anhaltende Fachkräftemangel führt zu erheblichen Wartezeiten auf Handwerker und Bauunternehmen. Das Schlimme: Das Warten wird vorerst kein Ende haben.

Die Baubranche boomt, so wie der Immobilienmarkt an sich ein historisches Wachstum hinlegt. Die Politik auf Bundes- wie Länderebene weiß um den Wohnungsmangel und gibt zu Hauf Bauaufträge heraus. Zusätzlich investieren private Wohnungsbauunternehmen in Neubauten und Modernisierungen.

Das aktuelle Problem: Alle benötigen Handwerker, schnell. Nur der anhaltende Fachkräftemangel führt zu erheblichen Wartezeiten, teils mehrere Monate lang. Und ein Ende dieser Tendenz ist nicht in Sicht laut dem Zentralverband des deutschen Handwerks, kurz ZDH.

Wartezeiten auf den Handwerker von 100 Tagen und mehr

Der jüngste Konjunkturbericht des ZDH ist einerseits erfreulich, andererseits kaum. Die Baubranche boomt, dank des privat gewollten und politisch notwendigen Engagements in Neubauten und Modernisierungen.

Doch der Verband kommuniziert, dass Auftraggeber zwischen Auftragsvergabe und Beginn der Bautätigkeit meist mehr als 100 Tage warten müssen. Für die derzeitige Lage am Immobilienmarkt und seine Mieter ein Greul.

Die Baubetriebe, so der Verband, sind zu über 80 Prozent ausgebucht und die Auftragsbestände sind nach wie vor sehr hoch. Doch wie soll man Aufträge annehmen und ausführen, wenn Fachkräfte fehlen?

Bereits seit mehr als zwei Jahren ist dieses Problem bekannt. Es fehlt an Azubis und Lehrlinge, mithin circa bis zu 20.000. Und alteingesessene Baufirmen finden überdies keine geeigneten Nachfolger. Im Resümee übernehme viele Bauherren nur noch Aufträge von Stammkunden. Die Konsequenz für Bauherren und Immobilienbesitzer ist nur logisch.

Steigende Preise in der Baubranche

Ein freier Markt regelt sich nach Angebot und Nachfrage, klar. Ist die Nachfrage aber so enorm, wie aktuell, wirkt sich dies auch nachhaltig auf die Preise der Baubranche aus. In den Handwerkskammern und Fachverbänden der Baubranche spricht man von einer „Auftragslage wie nie zuvor“.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Nicht nur die Ausführungen selbst können sich am Markt orientieren. Höhere Einkaufspreise für Baustoffe und steigende Energiepreise schlagen im Endeffekt ebenso auf die Kunden durch. Laut Verband gab über jeder dritte Baubetrieb an, seine Absatzpreise im ersten Quartal 2019 erhöht zu haben.

Bauverbände beklagen sich – zu Recht

Wohl keine Branche in Deutschland wurde in den letzten 30 Jahren so sehr runtergespielt, wie die Baubranche. Die Politik präferierte das Abitur und ein anschließendes Studium als zukunftsträchtig für junge Menschen. Von dem altbekannten Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ wollte keiner mehr etwas wissen.

Und diese Entwicklung spüren wir heute, aktuell. Denn noch immer stehen Handwerksberufe nicht oben auf der Wunschliste der Schulabgänger. Zu Unrecht und die Zukunft des Bausektors an sich ist allemal interessant und existenzsichernd.

Die Bauverbände und alle Baubetriebe üben darüber hinaus scharfe Kritik an der Politik. Immer höhere arbeitsrechtliche Vorgaben und steigende Sozialabgaben verhindern schnellere Bautätigkeiten der Unternehmen und spiegeln sich im Preisgefüge wider. Auch eine steuerliche Entlastung wird gefordert, seit Jahren.

Im Kern scheinen alle irgendwie zu wollen. Der Immobilienmarkt soll sich etwas abkühlen, der Schrei nach Neubauten ist groß, ob des Bedarfes. Und die Politik versucht mit wenig Erfolg des Problems Herr zu werden, durch Baukindergeld, Mietpreisbremse und Millieuschutz.

Ist es nicht langsam an der Zeit einen gesellschaftlichen Umdenkprozess anzustoßen? Wer sind die tragenden Säulen unserer Gesellschaft, unseres Sozialstaats? Die normalen Angestellten und Arbeiter, auch und gerade aus der Baubranche und nicht (nur) der Akademiker. Es ist Zeit auf den Bau zu bauen. Nur so ist eine nachhaltige und positive Entwicklung des Immobilienmarktes möglich.